Sage vom Teufelstein

Wenn man von Lubmin kommend zum Wusterhusener Kirchturm blickt, sieht man einen Knick im Turmhelm, der auch bei der Sanierung im Jahre 1996 gelassen wurde.
Denn damit verknüpft sich eine hübsche Sage, die es in verschiedenen Fassungen gibt. Die Version, wie ich sie gerne erzähle:

Als die Wusterhusener Kirche ihren weithin sichtbaren Turm erhielt und somit die Herrschaft des Christentums über das Wusterhusener Land verkündete, sah dies auch der auf Rügen weilende Teufel. Er ärgerte sich so sehr darüber, dass er mit seinem Ziegenfuß einen Stein in Richtung Wusterhusen stieß. Vom Tritt angeknackst zerbarst der Stein jedoch auf seinem Flug. Die eine Hälfte, auf dem noch der Ziegenfußabdruck zu sehen ist, fiel vor Lubmin ab. Das kleinere Teil prallte zwar gegen den Turm, konnte ihm aber nur noch einen Knick verpassen. Danach fiel er Richtung Konerow auf den Acker. Der Stein vor Lubmin wurde Teufelsstein, der bei Konerow Riesenstein (oder Hünenstein) genannt.


Ich zeige Besuchern gern die Mulde auf dem Teufelsstein, wo der leibhaftige Teufel gegen den Stein getreten hatte.

Den Riesenstein habe ich nie gesehen. Er soll in den 1920-er Jahren für den Straßenbau gesprengt worden sein. Ich kann mich aber auch erinnern, dass mein Vater sagte, dass er in den 1950-er Jahren für die Straße nach Gustebin genutzt wurde. Kann aber auch eine Sage sein, mit der die Gustebiner an der Sage partizipieren wollten (mein Vater arbeitete dort in den 50-er Jahren als Schlosser).

Die Geschichte gibt es wie gesagt in mehreren Versionen. In einer anderen hat der Teufel den Stein geworfen. In einer weiteren war es nicht der Teufel, sondern ein Riese, in einer Abwandlung mästete der Teufel dafür drei Riesen, die den Kirchturm bewerfen sollten. Aber immer von Rügen aus. Und die meist erzählte Version will sogar glauben machen, dass der Stein erst am Turm zersplittert und bis an den Lubmin Strand zurückprallte.

Hintergrund aller Versionen ist natürlich der Stolz der Kirchgänger im Wusterhusener Land auf ihre Kirche, die nicht nur eine weithin sichtbare Landmarke ist, sondern auch noch so stabil gebaut ist, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes dem Angriff des Teufels widerstand.

Schon als Kind versuchte ich, den historischen Hintergrund dieser schönen Geschichte zu finden, wieso die Leute so einen Zusammenhang herstellten. Damals begann die Sage für mich noch „als die Wusterhusener Kirche gebaut wurde,…“ Die Kirche wurde 1271 vom Camminer Bischof Hermann geweiht. Wie stellte sich die Lage für die damaligen Bewohner dar?
Das Wusterhusener Land war zwischen dem Fürsten von Rügen und dem Herzog von Pommern-Wolgast umstritten. 1195 war das Land vom dänischen König dem Rügener Fürst  zugeschlagen worden. Der Pommernherzog  versuchte, mit Hilfe des Camminer Bischofs sich wieder die Herrschaft zu sichern. Der wiederum wollte im Streit mit den Bistümern Roskilde (Rügen und Kloster Eldena) und Schwerin (Land Gristow) seine Einflusssphäre (und damit die Zehntenpfründe) um das Wusterhusener Land erweitern. Er förderte deshalb auch die Ansiedlung deutscher Einwanderer (= Steuerzahler). Auf Rügen wohnte für die deutschen Neuankömmlinge damals also das Böse. Außerdem war Rügen das Land über dem Wasser, wo die beeindruckenden Riesensteingräber stehen. Solche riesigen Steine konnten nur Teufels Werk gewesen sein. 😉

Allerdings haut der Ausgangspunkt der Geschichte „als die Wusterhusener Kirche gebaut wurde,…“ nicht hin. Denn die Kirche wurde im 13. Jahrhundert gebaut, der Westturm aber erst Anfang des 16. Jahrhunderts. Das Holzschindeldach mit dem Knick wahrscheinlich sogar viel später.

Nicht destotrotz. Der auf einer Anhöhe stehende Kirchturm ist noch heute eine prägende Landmarke, deren Anblick auch bei mir überzeugten Atheisten Heimatstolz hervorruft. Auch wenn der Turm heute mit den Windmühlen als Erkennungszeichen konkurrieren muss. Die Kirchgemeinde ist sehr aktiv im Bestreben, das Kulturdenkmal zu erhalten.

Wikipedia zur Kirche
Vorstellung durch Kirchenkreis
Kulturdenkmal

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